Leserbrief von Jochen Heimpel an die Süddeutsche Zeitung | 21. Apr 2021

Jochen  Heimpel bezieht in einem Leserbrief an die Süddeutsche Zeitung Stellung zu dem Artikel der SZ vom 16. April über das Chaos im Deutschen Schwimmverband.

 

Sehr geehrter Herr Catuogno,

mit großem Erstaunen habe ich Ihren Artikel über die Situation im DSV gelesen und freue mich darüber, dass die Missstände im DSV ein weiteres Mal kritisch beäugt und Fragen aufgeworfen werden.

Ihre Fragestellung in der Headline „Das Ehrenamt grübelt noch“ kann ich aus meiner persönlichen Sicht allerdings beantworten. Die Entscheidungen im Ehrenamt sind längst gefällt, die Umsetzungen im Hintergrund bereits im Gange. Ihrem Gerücht vom Donnerstag möchte ich eines vom Freitag dazulegen: Man hört in Erlangen, dass sich Herr Harald Walter (HW) bereits um eine Freistellung bei seinem Arbeitgeber erfolgreich bemüht hat.

Meine Progrnose: Es wird noch ein wenig Zeit vergehen und dann wird – aufgrund der zu kurzen Zeit zur Lösung- erst einmal HW die Delegation nach Tokio begleiten und nach der Rückkehr kann dann – der sicherlich beste Insider überhaupt – Michael Groß mit einsteigen, Schlüsse aus den Ergebnissen ziehen und in den DSV einbringen. Aber Hauptsache Herr Walter hat sich seinen Traum Olympia ersteinmal erfüllt, denn Tokio ist immer eine Reise wert ;.)

Es geht hier nicht um den Schwimmsport oder um fleißige, ehrenamtliche und Mütter und Väter, und schon gar nicht um die Athleten*innen und deren Bedingungen. Es geht um HW und seiner persönlichen Inszinierung. Allerdings nicht wie man vermutet durch Bild und Wort in ersten Reihe. Ganz im Gegenteil, da die Wege und Mittel hart, oft unfair und noch öfter ohne Schmerzgrenze oder persönliche Rücksichtsnahme durchgesetzt werden. Harald Walter bleibt im Hintergrund und zieht seine Strippen und das zugegebenermaßen sehr geschickt.

Fällt Ihnen was auf? Es gibt immer eine Person, die seinen Kopf in die Kameras halten muss oder seinen Namen auf dem Briefkopf stehen hat (heute vielleicht Herr Troll?), um unverständliche oder willkürliche Entscheidungen zu erklären oder zu verkünden. HW bleibt aalglatt im Hintergrund und im Falle des Falles rollt der vordere Kopf und HW tritt als Retter und Kümmerer auf. Sie können sich sicher sein, dass Harald Walter bei jeder einzelnen Entscheidung im DSV-Vorstand maßgeblich beteiligt ist.

Ich würde mich nicht wundern, wenn HW leider keine Zeit hatte, Fragen bezüglich der Thematik Leistungssportdirektor zu beantworten. Typisch wäre es, wenn er diese an den Präsidenten weitergegeben hätte.

Die Vorgehensweise der DSV-Verantwortlichen und deren Handschrift erkennen wir im Bayerischen Schwimmverband (BSV) und insbesondere aus dem Heimatverein des Harald Walter, dem Turnerbund 1888 Erlangen e. V. (TBE), bereits blind.

Sein Heimatverein, der TB 88 Erlangen e. V., befindet sich derzeit im heftigen Rechtsstreit mit dem BSV.

Seit dem Vorhaben, sich zum Präsident des BSV wählen zu lassen, werden Seilschaften geschmiedet, Kommunikation gegenüber Dritten verweigert (eine seiner besonderen Disziplinen), verdiente Trainer im Landesstützpunkt gekündigt oder in Mißkredit gebracht, Verträge umgedeutet oder nicht eingehalten und Ehrenamtliche Väter und Mütter in den Vereinen gedemütigt und aufgebaute Leistungssportstrukturen zerschlagen. Sie haben noch nichts von den Athlet*innen gelesen? Die Athleten*innen, und davon haben wir in Erlangen 31, mit Abstand die größte Anzahl von wirklichen Hoffungsträgern in Bayern, die spielen für HW und seinen Seilschaften keine Rolle.

Harald Walter tritt die olympischen Werte und die des DOSB und seinen Mitgliedsverbänden mit Füßen. Er kann unmöglich Vertreter eines Olympia-Teams sein. Wenn man weiß, wieviel ehrlicher und oft auch ehrenamtlicher Aufwand von den Athlet*innen und deren Umfeld erbracht wird, dann haben Sie einen Delegationsleiter verdient, der diese verkörpert und wenn möglich selbst gelebt hat. Insofern hoffe ich irgendwie doch auf Michael Groß.

Als ehemaliger Teilnehmer eines Olympiateams – als Teammanager der Herren-Hockeynationalmannschaft in Peking und London – habe ich dies alles mit- und selbst gelebt. Ich wünsche unseren Schwimmern und Wasserballern einen würdigen Teamchef.

Leider konnte der BSV das Schreiben der fünf Landesverbände nicht mitunterschreiben, weil unser BSV-Präsident gleichzeitig Vizepräsident des DSV und an den Entscheidungen direkt beteiligt ist. Bis vor kurzem war so ein Interessenskonflikt satzungsgemäß noch ausgeschlossen. Aber eine Satzungsänderung ist organisierbar und schon hat`s speziell für die Wahl HW (!) in den DSV geklappt.

Überall und immer wo HW auftritt die gleiche Vorgehensweise.

Sie fragen in ihrem Artikel ob das Ehrenamt einfach überfordert ist. Seit Jahren versucht HW hochqualifizierten Trainern zu sagen, was zu tun ist und was nicht. Und wenn sie unbequem sind, dann müssen sie halt weg.Ob das im nachhinein  rechtlich haltbar ist oder nicht, steht nicht im Vordergrund, Hauptsache die Demontierung und die damit verbundene Diffamierung ist qua der „Kraft des Faktischen“ erfolgt.

Dies ist in Erlangen so passiert, genauso wie im BSV und jetzt im DSV. Immer neue „Opfer“, nur der Auftraggeber ist immer der gleiche.

Ich bin kein Schwimmer und mit dem Schwimmsport, wenn überhaupt dann nur am Rande beschäftigt. Ich bin Geschäftsführer des o. g. Heimatvereins von HW und wir versuchen derzeit unsere sehr erfolgreiche und sehr engagierte Schwimmabteilung zu unterstützen. Sie hat mit Kompetenzgerangel und persönliche Befindlichkeiten des HW zu kämpfen, der zum Ziel hat, den Leistungssport in Erlangen zu zerstören.

Mit großer Betroffenheit und Ungläubigkeit muss ich mitbekommen, wie ehrenamtliche Funktionäre ihre persönlichen Machtspielchen auf dem Rücken unserer Sporter*innen, Eltern und Trainer*innen austragen.

Ich schreibe Ihnen hier ausdrücklich als Privatperson, die als ehemaliger Olympia-Funktionör viele Jahre mit Verbänden und Funktionären und deren Problematiken zu tun hatte. Ich bin sehr froh, dass ich in und mit einem Verband arbeiten durfte, in welchem die Sportler*innen noch einen hohen Stellenwert hatten.

 

Mit freundlichen Grüßen

Jochen Heimpel